Korneale Cross-Linking-Behandlung: Ein moderner Ansatz zur Stärkung der Hornhaut
Hornhaut ist eine der wichtigsten Strukturen des Auges, da sie dafür sorgt, dass Licht korrekt gebrochen wird und ein klares Sehen möglich ist. In bestimmten Fällen kann diese Struktur jedoch an Stabilität verlieren, wodurch sich fortschreitende Erkrankungen entwickeln können, die die Sehqualität beeinträchtigen.
Op. Dr. Murat Ün betont, dass das Ziel der Behandlung darin besteht, das Fortschreiten struktureller Veränderungen der Hornhaut zu verlangsamen und ihre biomechanische Stabilität zu erhöhen. Der Eingriff wird individuell geplant und der Behandlungsablauf an die jeweilige Ausgangssituation angepasst.
Was ist die Korneale Cross-Linking-Behandlung?
Die korneale Cross-Linking-Behandlung (CXL) ist ein medizinisch anerkanntes Verfahren zur Erhöhung der strukturellen Festigkeit der Hornhaut. Sie wird insbesondere bei Keratokonus sowie bei bestimmten fortschreitenden Hornhauterkrankungen eingesetzt, um das Fortschreiten der Ausdünnung und Formveränderung der Hornhaut zu verlangsamen.
Das Grundprinzip der Behandlung besteht darin, die Verbindungen zwischen den Kollagenfasern im Hornhautgewebe zu stärken. Dabei wird Riboflavin (Vitamin B2) auf die Hornhaut aufgetragen und anschließend mit UV-A-Licht einer definierten Wellenlänge bestrahlt. Durch die Wechselwirkung von Riboflavin und UV-A-Licht entstehen neue chemische Bindungen zwischen den Kollagenfasern, wodurch die Hornhaut an Stabilität gewinnt.
Vor der Durchführung des kornealen Cross-Linkings (CXL) erfolgen verschiedene Untersuchungen, um die Hornhautstruktur und den allgemeinen Zustand des Auges detailliert zu beurteilen. Diese Diagnostik bildet die Grundlage für eine individuell abgestimmte Behandlungsplanung.
Zu den wichtigsten Untersuchungen zählen:
- Bestimmung der Sehschärfe: Messung der aktuellen Sehqualität mit und ohne Sehhilfe
- Refraktionsmessung: Erfassung von Brechungsfehlern mit und ohne Zykloplegie
- Messung der Hornhautdicke: Beurteilung der strukturellen Eignung für die Behandlung
- Hornhauttopografie: Analyse von Form, Krümmung und möglichen Unregelmäßigkeiten der Hornhaut
- Fundusuntersuchung: Detaillierte Beurteilung von Netzhaut und Sehnerv
Nach Abschluss dieser Untersuchungen nimmt Op. Dr. Murat Ün eine umfassende Bewertung der Befunde und der Behandlungsoptionen vor.
Angewendete Cross-Linking-Techniken
Im Rahmen der Behandlung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
- Epi-off (Standardmethode): Die Hornhautepithelschicht wird vor der Behandlung entfernt, um eine bessere Penetration des Riboflavins zu ermöglichen.
- Epi-on (transepitheliale Methode): Das Epithel bleibt erhalten, was für bestimmte Fälle einen komfortableren Heilungsverlauf ermöglichen kann. Die Riboflavinaufnahme kann hierbei jedoch variieren.
Welche Methode gewählt wird, hängt unter anderem von der Hornhautdicke, dem Fortschreiten der Erkrankung und dem allgemeinen Zustand der Hornhaut ab. Die Entscheidung erfolgt auf Grundlage einer detaillierten Untersuchung.
In welchen Fällen wird Cross-Linking in Betracht gezogen?
Die korneale Cross-Linking-Behandlung kann bei fortschreitenden Erkrankungen eingesetzt werden, die mit einer strukturellen Schwächung der Hornhaut einhergehen. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, wird anhand klinischer Befunde und weiterführender Diagnostik entschieden.
Mögliche Anwendungsbereiche sind unter anderem:
- Keratokonus: Eine fortschreitende Erkrankung, bei der sich die Hornhaut ausdünnt und kegelförmig vorwölbt. In frühen Stadien kann das Ziel sein, die Stabilität der Hornhaut zu erhöhen.
- Hornhautektasie: Eine seltene Komplikation nach refraktiven Eingriffen wie LASIK, bei der es zu einer strukturellen Schwächung der Hornhaut kommt.
- Weitere progressive Hornhauterkrankungen: Beispielsweise die pelluzide marginale Degeneration, bei der ebenfalls eine strukturelle Veränderung der Hornhaut auftreten kann.
Die Entscheidung für eine Behandlung berücksichtigt nicht nur den aktuellen Befund, sondern auch Faktoren wie das Fortschreiten der Veränderung und die Hornhautdicke.

Ablauf und Behandlungsphasen des kornealen Cross-Linkings
Die Behandlung erfolgt strukturiert – von der Voruntersuchung bis zur Nachsorge.
Vor der Behandlung
- Messung der Sehschärfe mit und ohne Sehhilfe
- Refraktionsbestimmung
- Hornhautdickenmessung
- Hornhauttopografie
- Fundusuntersuchung
Diese Untersuchungen dienen der sicheren und präzisen Planung des Eingriffs.
Durchführung des Eingriffs
Nach lokaler Betäubung mittels Augentropfen erfolgt – abhängig von der gewählten Methode – der folgende Ablauf:
- Applikation von Riboflavin (Vitamin B2) auf die Hornhaut
- Bestrahlung mit UV-A-Licht definierter Wellenlänge
- Bildung zusätzlicher Querverbindungen zwischen den Kollagenfasern
Die Behandlungsdauer liegt in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten, abhängig von Technik und Hornhautstruktur. Während des Eingriffs wird meist kein Schmerz empfunden, gelegentlich kann ein leichtes Druck- oder Fremdkörpergefühl auftreten.
Nach der Cross-Linking-Behandlung
Wie bei jedem medizinischen Eingriff können auch nach dem kornealen Cross-Linking vorübergehende Begleiterscheinungen auftreten. Diese klingen in der Regel im Verlauf der Heilungsphase ab.
Häufige, vorübergehende Effekte:
- Brennen oder leichtes Schmerzgefühl
- Vorübergehende Sehunschärfe
- Lichtempfindlichkeit
- Tränenfluss oder Rötung
Seltener können auftreten:
- Verzögerte Heilung
- Vorübergehende Schwankungen der Sehqualität
- Hornhautinfektionen
Ein strukturierter Nachsorgeplan und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den Heilungsverlauf zu begleiten und mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Verhaltensempfehlungen nach der Behandlung
In den ersten Tagen nach dem Eingriff wird empfohlen:
- Reiben der Augen zu vermeiden
- Verordnete Augentropfen regelmäßig anzuwenden
- Staubige oder verrauchte Umgebungen zu meiden
- Wasserkontakt im Gesichts- und Augenbereich zunächst zu begrenzen
- Bei Lichtempfindlichkeit eine Sonnenbrille zu tragen
Häufig gestellte Fragen zum Cross-Linking
Ist man während der Behandlung wach?
Die Behandlung erfolgt in der Regel im wachen Zustand. Viele Personen empfinden den Ablauf als gut tolerierbar.
Wie lange dauert die Behandlung?
Der gesamte Ablauf kann etwa 75–90 Minuten in Anspruch nehmen, einschließlich Vorbereitung und Nachruhe.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Während der Behandlung wird durch lokale Betäubung meist kein Schmerz empfunden. Nach dem Eingriff können vorübergehend Reizungen auftreten.
Müssen Kontaktlinsen vorher abgesetzt werden?
Je nach Linsentyp kann es erforderlich sein, diese vor und nach der Behandlung für einen bestimmten Zeitraum nicht zu tragen.
Gibt es kombinierte Verfahren?
In ausgewählten Fällen kann Cross-Linking mit anderen refraktiven Verfahren kombiniert werden. Die Eignung wird individuell beurteilt.
Wie verläuft die Erholungsphase?
In den ersten Tagen kann die Sehschärfe schwanken. Die weitere Entwicklung wird im Rahmen der Nachsorge kontrolliert.